AG 1.1 DEUTSCH ALS ZWEITSPRACHE IN DER ERSTINTEGRATION IM SCHULISCHEN BEREICH IM DEUTSCHPRACHIGEN RAUM
 
Die AG Deutsch als Zweitsprache in der schulischen Erstintegration im deutschsprachigen Raum setzt sich kritisch mit der schulischen Integration einer in letzter Zeit rasant wachsenden Anzahl von schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland, Österreich und der Schweiz auseinander.

In einem ersten Schritt geht es um die Identifizierung der unterschiedlichen inklusiven, teilinklusiven und befristet exklusiven Integrationsmodelle (auch in Bezug auf das Problem der (Zweit-)Alphabetisierung) in den drei Ländern und um eine kritische Würdigung ihrer jeweiligen Integrationsleistung vor dem Hintergrund von unterschiedlichen Schulformen und von Lerngruppen, die sich aus Lernenden unterschiedlicher sozialer Milieus und Kulturkreise mit weit auseinanderdriftenden Bildungsbiographien und sehr unterschiedlichen psychischen Dispositionen zusammensetzen. Einzubeziehen und zu würdigen sind hierbei auch die unterschiedlichen Curricula, die den Weg in die Regelschule bahnen sollen.

Damit unmittelbar verbunden ist die Frage nach der Qualifikation der in Vorbereitungsklassen unterrichtenden Lehrkräfte. Zu beobachten ist eine große Diskrepanz zwischen den Ausbildungsprofilen der Lehrkräfte und den inhaltlich-pädagogischen Anforderungen an sie. Die Frage ist, über welche Fortbildungs- bzw. Weiterbildungskonzepte die bestehenden Diskrepanzen ausgeglichen werden können und welche Veränderungen in den auf das Lehramt ausgerichteten Studiengängen erforderlich wären, um eine erfolgreiche Bildungsbeteiligung eines zunehmenden Anteils an fremd- oder zweitsprachlichen Lernenden zu gewährleisten. Dies gilt nicht nur für DaZ-Lehrende, sondern auch für Lehrkräfte in Sachfächern innerhalb von separierten Integrationsklassen, aber auch in (inklusiven) Regelklassen. Darüber hinaus ist zusätzlich eine psychosoziale oder sozialpädagogische Betreuung der zum Teil traumatisierten Kinder und Jugendlichen erforderlich.

In Vorbereitungsklassen der Sek I bzw. im berufsbildenden Bereich wird in der Regel mit klassischen DaF-Lehrwerken gearbeitet, die durch zusätzliche Materialien ergänzt werden. Damit sind jedoch im Rahmen von Vorbereitungsklassen Probleme verbunden: Zum einen erfüllen die auf einen schulischen DaF-Unterricht hin konzipierten Materialien die spezifischen Bedarfe der Schülerinnen und Schüler in Vorbereitungsklassen nicht (Vorbereitung auf die sprachlichen und inhaltlichen Anforderungen der Regelklasse sowie die starke Heterogenität dieser Lerngruppen), denn es geht in den meisten DaF-Materialien vor allem um die Ausbildung einer sprachlich basierten Handlungskompetenz in Alltagssituationen, nicht aber um sprachliche Handlungsfähigkeit, die auf die Teilnahme am Regelunterricht zielt. Auch stellt sich die Frage, ob das im GeR beschriebene Kompetenzentwicklungsmodell für einen Unterricht als adäquat angesehen werden kann, der von Anbeginn an eine bildungssprachliche Perspektive besitzen muss, wenn eine gelingende Integration in die Regelklasse und damit auch in den deutschsprachigen Sachfachunterricht angestrebt ist.
Vor diesem Hintergrund sollen in dieser Arbeitsgruppe Fragen diskutiert werden wie:
  • Wie sind Festlegungen von GeR-Niveaustufen (z.B. Niveau B1 als „Eintrittsniveau für den Übergang in die Regelklasse) zu bewerten?
  • Wie könnte ein Modell schulischer Integration, wie sollten Curricula aussehen, damit eine erfolgreiche Teilhabe zugewanderter Schülerinnen und Schüler am schulischen Bildungsprozess gewährleistet ist?
  • Über welche Qualifikationen müssen Lehrerinnen und Lehrer verfügen, die Vorbereitungsklassen unterrichten oder ihren Regelunterricht auf die aus Vorbereitungsklassen übergetretenen Schülerinnen und Schüler ausrichten wollen?
  • Was für Aus-, Fort- und Weiterbildungsmodelle gibt es und wo besteht noch Entwicklungsbedarf?
Leitung:
Ulrich Dronske / Bundesverwaltungsamt - Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (DE), This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.
Nadia Montefiori / Pädagogische Hochschule Bern (CH), This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.
 
Mitarbeit:
Regina Bühlmann / Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) Bern (CH)
Helmut Kehlenbeck / Bremer Bildungsbehörde (DE)
Thomas Mayer / Bayerisches Kultusministerium (DE)
Nora von Drewitz / Mercator-Institut Köln (DE)
Irene Zingg / Pädagogische Hochschule Bern (CH)
 
Letzte Änderung: 24.04.2017