AG 2.5 DEUTSCH IM KONTEXT DER INTERNATIONALISIERUNG IM AKADEMISCHEN BEREICH
 
Unter Deutsch als Wissenschaftssprache (DaW) wird im weiteren Sinne die Sprache der Lehre an den Hochschulen, der Kommunikation zwischen Forschenden auf Kongressen und im wissenschaftlichen Alltag sowie die Sprache der Publikationen mit ihrer je spezifischen Terminologie und der Verbreitung von relevanten Forschungsergebnissen an das Laienpublikum verstanden. Im Kontext der wachsenden Internationalisierung des wissenschaftlichen und akademischen Bereichs eröffnet DaW im deutschsprachigen Bereich diskussionswürdige Fragen.

Als Nachwirkung der Internationalisierung wird heute DaW auch im deutschsprachigen Bereich durch die vorherrschende Verwendung des Englischen als Vehikel internationaler Fachkommunikation in einem mehrsprachigen Kontext gebraucht. Als „horizontale Mehrsprachigkeit“ bezeichnet man das Resultat des gleichzeitigen Gebrauchs von Deutsch und Englisch als Wissenschaftssprachen innerhalb ein und desselben wissenschaftlichen Fachs je nach Anwendungsbereich. Beispielsweise gilt für einige geistes- und kulturwissenschaftliche Fächer in deutschsprachigen Ländern nach wie vor Deutsch als internationale Wissenschaftssprache, wobei oft in internationalen Studiengängen Lehrveranstaltungen vorwiegend auf Englisch bzw. in der jeweiligen Landessprache gehalten werden. Für Naturwissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler ist dagegen die Verwendung des Englischen im Publikationswesen als fait accompli anzusehen, wobei Lehrveranstaltungen an deutschsprachigen Universitäten tendenziell weiterhin auf Deutsch gehalten werden. Unter „vertikaler Mehrsprachigkeit“ wird das funktionale Zusammenspiel von verschiedenen Wissenschaftssprachen im deutschsprachigen Raum und ausserhalb desselben verstanden. Grundlage dabei ist die Vielfalt fachspezifischer Realisierungen von DaW mit ihren jeweils spezifischen Besonderheiten, u.a. den terminologischen.

Darüber hinaus wirft die Internationalisierung des akademischen Bereichs Fragen auf, die mit der allgemeinen Verwendung der deutschen Sprache von Seiten internationaler Studierender und Forschender in deutschsprachigen Ländern verbunden sind. Nur das Erlernen der deutschen Sprache ermöglicht Zugang zu der jeweiligen Kultur des Landes und zur sozialen Integration ausländischer Studierender und Gastwissenschaftler und Gastwissenschaftlerinnen, was interkulturelles Verständnis sowie eine tief angelegte Bindung an das Gastland verschafft.

Die Arbeitsgruppe Deutsch im Kontext der Internationalisierung im akademischen Bereich soll über verschiedene Dimensionen hinweg die Rolle ausloten, welche die Sprache Deutsch im akademischen Austausch mit dem deutschsprachigen Raum spielt. Daran schließt sich die Frage nach dem spezifischen Bedarf an deutschen Sprachkenntnissen an, der für diesen Bereich besteht (Kompetenzen für DaW), schließlich soll darüber reflektiert werden, wie der Erwerb dieser Sprachkenntnisse für die verschiedenen Interessengruppen organisiert und gestaltet wird und werden kann (DaW-Forschung und -Lehre). Es sollen dabei u.a. die folgenden Hauptperspektiven berücksichtigt werden: 1. Deutsch als Sprache der Wissenschaft im Kontext akademischer Mehrsprachigkeit; 2. Deutsch als Zugangssprache für Studien- und Forschungsaufenthalte im deutschsprachigen Raum, die auch aus kultureller Sicht bereichernd sein können.
 
Leitung:
Marina Foschi / Universität Pisa (IT), This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.
Renate Faistauer / Universität Wien (AT), This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.
 
Mitarbeit:
Ulrich Ammon / Universität Duisburg-Essen (DE)
Peter Collinander / Kopenhagen Business School (DK)
Ludwig Eichinger / Institut für deutsche Sprache - IDS Mannheim (DE)
Christian Fandrych / Universität Leipzig (DE)
Karin Kleppin / Ruhr-Universität Bochum (DE)
Susanne Lüdtke / DAAD - Deutscher Akademischer Austauschdienst (DE)
Regula Schmidlin / Universität Freiburg/Fribourg (CH)
Anke Sennama / Universität Wien (AT)
Anne Renate Schönhagen / Goethe-Institut Moskau (RU)
 
Letzte Aktualisierung: 14.01.2017