AG 4 LEHRERPROFILE, LEHRERAUS- UND -WEITERBILDUNG
 
Bericht der Arbeitsgruppe
 
Kompetente, qualitativ gut ausgebildete und motivierte Lehrerinnen und Lehrer sind das Rückgrat des Deutschunterrichts. Dabei können die Kompetenzprofile der Lehrpersonen je nach Rahmenbedingungen und Kontext (Schulstufe, Schultyp, Land, Lernkultur) durchaus unterschiedlich sein. Ebenso unterschiedlich können entsprechend die Aus- und Weiterbildungskonzepte und ihre Struktur sein. Entscheidend jedoch sind die Ziele und Inhalte von Qualifizierungsprogrammen als auch methodisch-didaktische Vorgehen und die Standards, an denen sie sich orientieren.

Die Arbeitsgruppe konzentriert sich auf folgende Schwerpunkte: kommunikative Kompetenz, kulturelle Kompetenz und methodisch-didaktische Kompetenz von Deutschlehrenden. Sie geht dabei folgenden Fragestellungen bezogen auf  Aus-, Fort- und Weiterbildung von Deutschlehrenden nach:

  1. Kommunikative Kompetenz:
    Deutschunterricht hat die Entwicklung sprachlicher Handlungsfähigkeit zum Ziel. Deshalb stellen sich rund um die sprachliche Kompetenz von Deutschlehrenden folgende Fragen:
    Über welche kommunikativen allgemeinsprachlichen Kompetenzen in der Zielsprache Deutsch sollte eine Deutschlehrkraft verfügen und wie werden diese vermittelt?
    Über welche kommunikativen unterrichtsbezogenen Kompetenzen sollten Sprachlehrende in der Unterrichtspraxis verfügen (classroom language) und wie lässt sich die Unterrichtssprache Deutsch kontinuierlich weiterentwickeln? Welche Modelle zur Vermittlung von Unterrichtssprache gibt es in den verschiedenen Kontexten?
    Über welche kommunikativen akademischen und berufsspezifischen Kompetenzen sollten Sprachlehrende in Aus- und Weiterbildung verfügen, welche Sprachkompetenz brauchen sie, um sich in ihrem Beruf fachlich weiterzuentwickeln und wie werden diese vermittelt?
  2. Kulturelle Kompetenz:
    Deutschlehrende vermitteln nicht nur sprachliche, sondern auch kulturelle Kompetenzen. In einem immer stärker von Migration geprägten Umfeld geht es auch im Deutschunterricht darum, Brücken zwischen verschiedenen kulturbedingten Lebenswelten zu schaffen und gegenseitiges Verständnis zu entwickeln, um ein Aushandeln von einem gemeinsamen Handlungsraum zu ermöglichen. So müssen auch Deutschlehrende ihre Fähigkeit, eigene und fremde kulturbezogene Verhaltensweisen wahrzunehmen entwickeln, auch dann, wenn der Unterricht nicht im Zielsprachenland stattfindet. Gibt es für alle Kontexte ein Set von diesbezüglichen Kompetenzen, die Lernende erwerben sollten? Gibt es Methoden, die weltweit einsetzbar sind?
  3. Didaktisch-methodische Kompetenz:
    Neben den erwähnten Aspekten ist jedoch das „Handwerk Unterrichten“ zentral. Was gehört zu diesem Handwerk? Wie unterstützt man beispielsweise Lernprozesse, wie kann man Lernende motivieren, wie evaluiert und fördert man sie? Neben der Frage, ob es Standards auch in diesem Kompetenzbereich gibt, wird untersucht, wie das „Handwerk Unterrichten“ am besten erlernt wird und wie es auch nach der Ausbildung weiterentwickelt werden kann. Wie sollte Unterrichtspraxis in die Aus- und Weiterbildung integriert sein?
Die Erforschung von Unterricht und von Lernprozessen entwickelt sich aber ständig weiter und erzielt immer fundiertere Erkenntnisse zum Fremdspracherwerb. Die Arbeitsgruppe fragt: Welche aktuellen Forschungsergebnisse aus der Spracherwerbsforschung und der Fremdsprachendidaktik sind in Bezug auf die genannten Schwerpunkte künftig stärker zu beachten? Und wie können Forschungsergebnisse in Aus- und Weiterbildung berücksichtigt werden? Dabei wird Bezug genommen auf jüngste Untersuchungen, Projekte und Veröffentlichungen wie das Rahmenkonzept von MAGICC (www.magicc.eu) zur Modularisierung von mehrsprachigen und multikulturellen akademischen Kommunikationskompetenzen auf Bachelor- und Masterstufe, die berufsspezifischen Sprachkompetenzprofile für Lehrpersonen für Fremdsprachen an Schweizer Schulen, das an der Pädagogischen Hochschule Sankt Gallen entwickelt wurde, das Europäische Profilraster für Sprachlehrende (www.epg-project.eu) sowie das Europäische Portfolio für Sprachlehrende in der Ausbildung (www.eposa.org) und andere einschlägige Ansätze.
 
Leitung:
Karin Ende / Goethe-Institut Casablanca (MA), This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.
Imke Mohr / Goethe-Institute Deutschland (DE),  This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.
Konzipiert und vorbereitet gemeinsam mit:
Olivier Bolomey / Pädagogische Hochschule Lausanne (CH)
Ilona Feld-Knapp / Deutschlehrerverband Ungarn (HU)
Thomas Fritz / Volkshochschule / Lernraum. Institut für Mehrsprachigkeit, Integration und Bildung Wien (AT)
Cornelia Gick / Universität Freiburg (CH)
 
Zuletzt aktualisiert:  24.4.2017