CH-FÄCHER: SPRACHE
 
Sprachsituation der Schweiz
Die Schweiz ist ein auch deutschsprachiges Land: Neben Deutsch sind Französisch, Italienisch und Rätoromanisch Amtssprachen. Informationen zur Sprachsituation der Schweiz finden Sie hier und – in einem ausführlicheren Text – hier.
 
Die IDT 2017 findet just auf der Sprachgrenze zwischen deutscher und französischer Schweiz statt. Die Zweisprachigkeit Freiburgs zeigt sich auch im öffentlichen Raum, wie dieser Beitrag zeigt.
 
Die Radionachrichten werden in jeder der vier Landessprachen ausgestrahlt. Sie können hier die jeweils aktuellen Nachrichten hören:
Deutsch in der Schweiz
Deutsch ist eine plurizentrische Sprache. Das heisst: Es gibt unterschiedliche Ausprägungen (nationale Varietäten) des Standarddeutschen, wie dieser Beitrag zeigt. Mit Blick auf die Schweiz ist es beeindruckend, dass sich Landes- und Sprachgrenzen nicht decken. Das helvetische Standarddeutsch (auch „Schweizerhochdeutsch“) ist eine dieser Varietäten, neben dem deutschländischen und österreichischen Deutsch: Schweizerhochdeutsch sollte nicht mit dem Schweizerdeutschen (Dialekt) verwechselt werden!
 
Weiterführende Informationen zum (gesprochenen) helvetischen Standarddeutsch finden Sie da und dort.
Das helvetische Standarddeutsch unterscheidet sich auf allen Ebenen der Sprachbeschreibung vom z.B. österreichischen oder bundesdeutschen Standarddeutsch: in der Lautung, in der Orthografie (in der Schweiz wird der Buchstabe „β“ nicht geschrieben), in der Grammatik usw. und – am augen- und ohrenfälligsten – im Wortschatz. Standarddeutsche Wörter, die nur in der Schweiz gebräuchlich sind, heissen Helvetismen. Einige Beispiel sind hier zu finden. Natürlich gibt es ja auch „Deutschlandismen“ und Austriazismen.
 
Wir Schweizerinnen und Schweizer tun uns oft schwer mit unserem unverkennbar helvetischen Standarddeutsch. Der selbstbewusste Umgang damit ist immer wieder ein Thema, wie man etwa hier nachlesen kann.
 
Manche packen allerdings den Stier bei den Hörnern und erheben den vermeintlichen Mangel zur Kunstform, nämlich Deutschschweizer Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Mehr dazu können Sie etwa hier lesen.
 
Doch nicht nur in der Wortwahl unterscheidet sich unser Sprechen von jenem z.B. in Deutschland, sondern auch in der Sprachverwendung. Meist drücken sich die Deutschen direkt aus („Ich krieg das Brot“), wir Schweizer hingegen halt etwas umständlicher („Könnte ich bitte das Brot haben?“). Von Deutschen, die schon eine Weile bei uns leben, erwarten wir, dass sie das Schweizerdeutsche zwar nicht sprechen, aber doch verstehen. Und wenn es uns allzu bunt wird, besinnen wir uns auf unsere alpenländischen Tugenden. Ja, wenn Gott Schweizer wäre! Darum geht es in einem kleinen, feinen, lesens- und verschenkenswerten Büchlein von Hugo Loetscher (1929–2009): „Der Waschküchenschlüssel“.

Schweizerdeutsch
Das Schweizerdeutsche gibt es nicht, also so etwas wie einen deutschschweizerischen Dachdialekt. Vielmehr wird der Begriff für das Gesamt aller schweizerdeutschen Dialekte verwendet.
Mithilfe des „Chuchichäschtli-Orakels“ können Dialektsprecherinnen und -sprecher ihren schweizerdeutschen Dialekt (anhand von Wörtern) recht treffsicher identifizieren. (Unsere Mundarten unterscheiden sich allerdings nicht nur auf der Wortschatzebene, sondern auf allen Ebenen der Sprachbeschreibung.) Aussenstehende mag der Reichtum der Dialektausdrücke auf so kleinem Raum immer wieder erstaunen.
 
Am erstaunlichsten aber finden Deutschsprachige aus dem Ausland die Verwendung des Schweizerdeutschen. Als Faustregel gilt: In der Deutschschweiz wird Standarddeutsch geschrieben und Schweizerdeutsch gesprochen. In aller Regel kennen wir keinen Übergang, keine Mischform von Standard und Dialekt. Es gilt: entweder – oder. Man nennt diese Sprachsituation – geschriebener Standard, gesprochener Dialekt – mediale Diglossie.
 
Ausnahmen (von denen es allerdings immer mehr gibt) bestätigen die Regel, etwa diese Traueranzeige, ein formeller Text auf Schweizerdeutsch:
Mir si töif berüehrt über au die Ateilnahm, wo mir hei dörfa erläbe, bim Abschied vo üsem XY
MERCI:
Jesus, für das wärtvoue Läbe vom X
Aune wo ar Truurfiir i irgend äre Form mitgwürkt hei, oder eifach derbi si xi.
Bsunders für die tröschtende u hoffnigsvoue Wort vom NM u em DM
Für die vile schöne Blueme, Chränz u Gäutspände
Für die grosszügigi Kollekte
Für au die Chärtli wo mit Mitgfüeu u liebe Wort gschribe si
A aui Ärzt u em Pflegepersonau vom T-, L-spitau u em S-hus
Em Husarzt, der SEOP u der Spitex
Für aui Bsüech, Telefon, SMS, stiui Umarmigä, Ermuetigunge, Gebätt u für jedi Fründschaft füre X u für ü saune wo i irgend äre Form für üsa X si da xi!
 
Bekanntlich ist der Tod die Sorge der Lebenden – zur Lebensfreude zurückführen sollen uns drei schweizerdeutsche Lieder: „Das neue Senslerlied“, gesungen vom Cäcilienchor Wünnewil (mit schweizerdeutschem und standarddeutschem Text), „I ha-n-es Zündhölzli aazündt“) des Berners Mani Matter sowie „Blos e chlini Stadt“ des Schaffhausers Dieter Wiesmann. Der Berner und der Schaffhauser Dialekt weisen ein je deutlich unterschiedliches Vokalsystem auf.
 
Zusammengestellt von Katrin Burkhalter und Michael Langner, Universität Freiburg/CH